Kurzgeschichte Analyse

Kurzgeschichten Analyse

 

Kurzgeschichten entlehnen ihren Namen in ihrer Begrifflichkeit ursprünglich vom englisch-amerikanischen Wortstamm „Short Stories“.

 

Wie der Begriff bereits assoziiert, handelt es sich meist um kurz gehaltene komprimiert zusammengefasste Leseinhalte. Aus diesem Grund wird hier das Wesentliche der Geschichte verstärkt, überzeichnet dargestellt.

 

Die Texte sind bei Kurzgeschichten sehr auf den wesentlichen Kontext konzentriert ohne detaillierte Einführungen und ausschweifende Beschreibungen.

 

Um eine Kurzgeschichte treffend analysieren zu können, ist es wichtig, ihre typischen Merkmale klar herauszuarbeiten. Nur dann ist der Leser auch in der Lage, eine Kurzgeschichte richtig interpretieren zu können und sie somit auch in dem Blickwinkel zu sehen, wie sie vom Autor beabsichtigt wurde.

 

Wie können wir nun eine Analyse der Kurzgeschichte vornehmen, damit wir sie in der zutreffenden Art lesen und verstehen können? Wie unterscheiden wir Kurzgeschichten am besten von anderen Literaturformen?

Am deutlichsten ist die Kurzgeschichte an ihrem geringen Textumfang erkennbar. Meist umfasst sie nur wenige Seiten, so dass sie in einem Zug gelesen werden kann. Dies ist auch einer ihrer wesentlichen Vorteile. Sie eignet sich so ganz exzellent für einen Vorleseabend in gemütlicher Runde oder eben auch als Einschlaflektüre.

Ein weiteres Merkmal der Kurzgeschichte ist oft der typische Einstieg direkt ins unmittelbare Handlungsgeschehen. Bereits mit dem ersten Satz befindet sich der Leser oft „mitten im Getümmel“ der Erzählung. Das macht die Kurzgeschichte von Anfang an spannend und sehr kurzweilig. Der Leser ist sofort gefesselt, wenn die Kurzgeschichte gelungen begonnen wird.

Im Gegensatz zum schnellen Einstieg wird bei der Kurzgeschichte oft das Erzähl-Mittel des offenen Ausgangs gewählt. Das hat auch den weiteren Vorteil, dass der Autor sich jederzeit eine Fortsetzung zur entsprechenden Geschichte offenlässt. Der Leser ist durch den offenen Ausgang der ersten Kurzgeschichte dann auch schon neugierig auf den Fortgang und wird so schnell Zugang zu weiteren Geschichten finden.

Durch die kurze Erzählhandlung um meist ein Kernthema benutzt der Autor bei dieser Erzählweise auch hauptsächlich linear verlaufende Berichtsformen ohne Zeitsprünge und Rückblenden. Allerdings kann die Kurzgeschichte sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit erzählt werden. Dadurch ergibt sich noch einmal eine ganz andere Perspektive und Nähe zum Geschehen.

Ein weiteres Merkmal einer Kurzgeschichte ist die Verknappung der erzählten Handlung. Durch diesen „Kunstgriff“ kann natürlich weitaus weniger Einblick in einzelne Charaktere der Handlung und auch weitaus weniger Beschreibung in Details der Umgebung einfließen. So ist die Kurzgeschichte inhaltlich bewusst auf das Wesentliche reduziert und auch fokussiert.

Typischer Weise wählt ein Autor für seine Kurzgeschichten meist Handlungen aus einem Alltagsgeschehen aus, wie sie jedem von uns täglich passieren könnten. Dadurch fühlt sich der Leser mit dem Protagonisten der Geschichte verbunden, freut sich und leidet mit ihm gemeinsam. Daran kann man auch bereits erkennen, dass sinnvoller Weise in einer Kurzgeschichte wenige Protagonisten eingeführt werden.

Ein anderes beliebtes Stilmittel einer Kurzgeschichte sind die überraschenden Enden, oft mit einer Pointe versehen. So wird der Leser nicht nur schnell in eine Geschichte hineingeworfen, sondern auch zum Schluss quasi wieder plötzlich herauskatapultiert.

Dafür wird der Leser zusätzlich gefordert, seine eigenen Vorstellungen zum Handlungsumfeld zu entwickeln, da in einer Kurzgeschichte hierzu nicht viel preisgegeben wird.

Auch die Beurteilung des Gelesenen überlässt der Autor im Allgemeinen dem Leser selbst, da in der Kurzgeschichte keine Parteinahme zum Erzählten vorgenommen wird.

Wenn auch ein wesentliches Merkmal einer Kurzgeschichte meist eine kurz gefasste Handlung mit wenigen Seiten Umfang charakterisiert, ist dieses Merkmal nicht zwingend vorhanden, um die Zuordnung zu dieser Literaturform zu erfüllen.

Wenn die meisten an deren Merkmale einer Kurzgeschichte erfüllt sind, insbesondere der plötzliche Einstieg, die lineare Handlung um ein Kernthema mit wenigen Protagonisten und ein pointierter Schluss, kann trotz einem Seitenumfang von 20 und mehr Seiten die Erzählung in die Literaturform Kurzgeschichte eingeordnet werden.

Dies trifft natürlich auch für alle anderen hier aufgeführten Merkmale zu. Nicht immer sind alle Merkmale in einer Kurzgeschichte vereint. Jedoch treffen die meisten Merkmale auf jene kurzen Erzählungen zu, die von einem Autor als Kurzgeschichte gedacht und verfasst wurde.

Die Kunst, eine gelungene Kurzgeschichte zu verfassen, besteht im gut durchdachten Einsatz besonderer stilistischer Kniffe. So kann zum Beispiel durch die Erzählung in der Gegenwart und namentlich benannter Personen schnell eine große Nähe aufgebaut werden. Distanz hingegen erreicht der Autor durch den Einsatz von Personalpronomen für die Protagonisten oder auch durch das Erzählen in der Vergangenheitsform.

Eine Möglichkeit, sich direkt nur auf eine Handlung zu fokussieren, besteht durch Weglassen oder nur sehr unklaren Beschreibungen des Umfeldes, wie die Umgebung und auch andere Personen.