Kurzgeschichten

Kurzgeschichten, kleiner Exkurs

Wozu schreiben oder erzählen wir eigentlich Geschichten / Kurzgeschichten? Blickt man in vergangene Jahrhunderte zurück, dann wird uns die Bedeutung von Geschichten oder auch Erzählungen, natürlich auch jeweils als Kurzgeschichten viel besser klar.

Die Menschen konnten sich nicht mittels moderner Technik, wie Fernseher, Radio, PC usw. austauschen. Sämtliche Weitergabe von Informationen erfolgte anhand von Erzählungen von „Mund zu Mund“ oder später auch in Form von niedergeschriebenen Texten. Erst nach Einführung der Schriftsprache war man überhaupt in der Lage, Informationen jeglicher Art weit zu verbreiten, zu vervielfältigen oder unverfälscht weiter zu geben.

Zuvor konnte bei der mündlichen Weiterverbreitung allerdings nicht garantiert werden, dass ein Ereignis oder Erlebtes mit dem tatsächlichen Wahrheitsgehalt an verschiedene Menschen weitergegeben wurde. Denken wir nur an das beliebte Kinderspiel „Stille Post“, bei dem der erste Spieler sich einen Satz ausdenkt, der dann jedem weiteren Spieler „ins Ohr geflüstert“ so weitergegeben wird, wie er ihn verstanden hat. Ein Lacher ist dem letzten Empfänger, der das Ergebnis dann allen mitteilen muss, in jedem Fall sicher. Denn soweit ich mich an das Spiel erinnern kann, kam jedes Mal ein enorm verfälschter oder gar völlig Sinn veränderter Satz bei Spielende heraus.

Dieses Beispiel zeigt uns ja auf einfache aber einprägsame Weise, was aus Informationen, Geschichten, Erzählungen, Kurzgeschichten und ähnlichem bei einer mündlichen Weitergabe an Ende herauskommen kann.

Auf diese Weise entstanden Geschichten (Kurzgeschichten), Legenden, Märchen und viele weitere Literaturformen. Diese Literaturformen haben nicht nur den Wandel der Zeiten überdauert, sie sind auch bis in die heutige Zeit eine beliebte Unterhaltungsform geblieben. Teilweise haben sie sich sogar zu Kunstformen emporgeschwungen, wenn man beispielsweise nur an die Fabeln denkt.

Bereits Kindern wurden bereits in grauer Vorzeit und werden noch heute Geschichten, besonders Kurzgeschichten (wegen ihrer verkürzten Aufmerksamkeitsspanne) und Märchen erzählt oder vorgelesen. Darüber können in einer nicht belehrenden, dafür aber sehr spannungsgeladenen Form Werte vermittelt, aber auch Angst vor Gefahren erzeugt werden. Kinder lieben diese Erzählform meist über alles und fordern dies allabendlich von ihren Eltern ein. Es gibt wenige Möglichkeiten, eigene Werte oder auch Warnungen vor Gefahren eindrucksvoller und nachhaltiger an die nächste Generation weiterzugeben, als eben durch das Erzählen oder Vorlesen von Geschichten und Märchen.

Als Erwachsener erinnern wir uns daran meist als eine Situation, in der wir Harmonie und Geborgenheit empfunden haben. Wir sind bestrebt, die Erinnerung an eine derart friedliche Stimmung immer wieder heraufzubeschwören. Vielleicht lesen viele Erwachsene deshalb auch weiterhin gern (Kurz) – Geschichten, Erzählungen oder eben Romane.

Vor Jahrhunderten saßen die Menschen, besonders die Frauen und Kinder, an dunklen Winter-Abenden gemeinsam in der gemütlich geheizten Stube beisammen und berichteten einander von ihren Erlebnissen oder gaben Berichte vom Hören/Sagen weiter, während sie bei ihren Handarbeiten saßen. So vertrieben sie sich die langen endlosen Abende und hatten dabei auch noch ihren Spaß. Zusätzlich war diese Art der Informationsweitergabe natürlich auch eine zeitgemäße Art der heute bekannten „Nachrichten Sendungen“.

Wenn man in Nachschlagewerken nach dem Begriff „Kurzgeschichten / Geschichten“ sucht, wird man nicht direkt fündig. Interessanter Weise wird dieser Begriff stets gemeinsam mit dem fast gleichlautenden Begriff „Geschichte, Historia“ erläutert und teilweise gleichgesetzt.

Dem ersten Impuls folgend wirkt dies verwirrend und man ist versucht, beiden Begriffen eine verschiedene Bedeutung zuzuordnen. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass diese Begrifflichkeiten nicht nur zufällig fast gleich lautend, sondern dem selben Ursprung entnommen sind. Im Laufe der Entwicklung zu unserer heutigen Gesellschaft hin haben sich die Begriffe durch Herauskristallisieren feiner Neu-Interpretationen und genaueren Definitionen in ihrer Bedeutung auseinander definiert.

In der Brockhaus Enzyklopädie kann man unter dem Begriff Geschichte / Geschehnis / Ereignis folgendes lesen: „ …vielschichtiger Begriff, bezeichnet i.w.S. Ablauf und Zusammenhang alles an Zeit und Raum gebundenen Geschehens:

Erdgeschehen, Naturgeschehen, Menschheitsgeschehen… das politisch-soziale Beziehungsgeflecht zwischen den Menschen in allen seinen zeitlichen Bezügen (d.h. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft). Geschichte ist ihrem Wesen nach zugleich der Prozess ihrer bewussten Aneignung durch den Menschen.

Im Begriff Geschichte überlagern sich zwei Ebenen: der ältere Sinnzusammenhang, der schon in der Antike zu beobachten ist, fasst Geschichte auf als Ereignis und dessen Erzählung als Schicksal und Kunde davon oder als Ort bedeutender Persönlichkeiten und der Erinnerung an sie. Die neuere, im 18. Jahrhundert entstandene Bedeutungsschicht zeigt die Geschichte als Prozess, als Entwicklung, als Fortschritt oder als Handlungsfeld. Aus verschiedenen Bedeutungsfeldern erwachsen, ist die Geschichte ein politisch-sozialer Grundbegriff, der die (kalendermäßige) Gleichzeitigkeit des (strukturell) ungleichzeitigen begrifflich erfassen und wissenschaftlich erforschen will.

Die bis in die Antike zurückreichende Geschichtsschreibung und ihre Variante, die Geschichtsdarstellung (von der Historienmalerei bis hin zum modernen Spiel- und Dokumentarfilm) sowie die Geschichtswissenschaft sind der Versuch, Geschichte bewusst zu machen. Die ENT-deckung der Geschichte, die ENT-hüllung der sie kennzeichnenden Strukturen und bewegenden Kräfte ist wesentlich mitbestimmt vom Geschichtsbild und Geschichtsbewusstsein dessen, der sich mit Geschichte befasst.

Die Geschichtsphilosophie sucht nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte. Bei Herodot erscheint Geschichte unter dem Begriff „historia“ erstmals als „Ermittlung von Wissen durch Befragung von Zeugen“. In der Poetik des Aristoteles ist „historia“ die Wiedergabe dessen, was geschehen ist.

Der Geschichtsschreiber Polybios betrachtete die Geschichte seiner Zeit als zusammenhängendes Ganzes, in dem sich Handlungen und Geschehnisse in den verschiedenen Teilen der Welt verknüpfen.

Die römische Geschichtsschreibung sah in Rom das handelnde Subjekt der Geschichte. Isidor von Sevilla definierte „historia“ mit Auswirkung auf das ganze Menschheitszeitalter als das gesicherte Wissen über das selbst Miterlebte (Augenzeuge) unter Einschluss der Vergangenheit (mündliche oder schriftliche Überlieferung).

Die mittelalterlichen Geschichtsschreiber sahen in der Geschichte das Wirken Gottes gemäß seinem Heilsplan (Heilsgeschichte), in das hinein die Geschichte des Menschen gestellt ist. In der Nachfolge des Augustinus deutete Otto von Freising in seiner Weltchronik die Geschichte als Ringen zwischen Welt- und Gottesreich.

  1. Machiavelli sah in den „Exempla“ so wie sie in den Werken der antiken Denker erschienen, das Wesentliche der Geschichte und empfahl sie zur Nachahmung im politischen Raum. Ausgehend von einer idealen Geschichte d.h. von einem politisch-sozialen Beziehungsgeflecht, das in seinem Wesen allen Völkern innewohnt, begreift der Mensch sich selbst; indem er diese ideale Geschichte erkennt und sich selbst erzählt, schafft er sich selbst nach seinen eigenen Gesetzen.

Mit G.B. Vico wandte sich die Geschichtsvorstellung von den „Historien“ (Geschichten) zum Begriff Geschichte als der umfassenden Bezeichnung für die Beziehungen der Menschen untereinander in Zeit und Raum. Mit diesem Bewusstseinssprung – so diese Auffassung – kann die Geschichte lehren, beweisen oder fordern.

In der Aufklärung löste sich die Geschichte von ihrer Einbettung in die Theologie, Rhetorik und Moralphilosophie. Mit der Entwicklung der historischen Methode führte L. von Ranke die heute noch wirksame Auffassung ein, die unbekannte Struktur der Geschichte nach und nach, Stück für Stück entdecken zu können.

Anhand der Entwicklung und der engen Verknüpfung zwischen den Begriffen Geschichte und (Kurz) – Geschichten in ihrer Definition laut Enzyklopädie ist bereits erkennbar, wie wichtig diese Erzählform ursprünglich für den Informationsfluss, aber auch für die Identifikation der Menschheit selbst historisch gewesen ist.

Inzwischen hat sich der Stellenwert dieser Darstellungsform und Weitergabe von Ereignissen und Geschehnissen in unserem Lebensalltag natürlich stark verändert. Jedoch haben Erzählungen und Geschichten sowie Kurzgeschichten aller Art auch heute noch ihre Berechtigung als Lektüre neben allen anderen Möglichkeiten der modernen Kommunikation und Informationsweitergabe.

Die Schriftstellerin Annabelle Herbst liest selbst sehr gern vor dem Schlafen gehen, gewissermaßen als Ritual. Dabei findet sie es oft schade, dass sie immer wieder die Handlung des Buches unterbrechen muss, da sie ja nur wenige Seiten vor dem Schlafengehen lesen möchte und kann. Gern hätte sie knackige Kurzgeschichten, die in sich abgeschlossen sind und die an einem Abend komplett gelesen werden können.

Sie stellt sich vor, dass sich nach einer solchen Kurzgeschichte eine gewisse Zufriedenheit für die Seele einstellt, man sich zu dieser einen kurzen Geschichte noch so seine Gedanken macht oder sich in die Kurzgeschichte hineinträumt und im Idealfall dabei sanft entschlummert.

Annabelle vermutet, dass sie nicht die Einzige Leserin mit diesem Wunsch ist. Deshalb hat sie für Euch Gute Nacht Geschichten für Erwachsene aufgeschrieben, die aus dem Leben geboren wurden.

Das Leben selbst schreibt oft die aufregendsten, traurigsten, spannendsten oder kuriosesten Geschichten (Kurzgeschichten). Daran will Annabelle Euch teilhaben lassen.

Ihre Kurzgeschichten haben alle einen wahren Kern. Annabelle ist der Auffassung, dass die allermeisten Menschen in ihrem Leben derartig verrückte, traurige, besondere aber auch kuriose oder glückliche Erlebnisse haben, die meist jede ausgedachte Geschichte in den Schatten stellen würden.

Sie hört einfach gern zu, was ihr die Menschen in ihrem Umfeld so zu erzählen haben, findet wahre Lebensgeschichten unheimlich spannend und ist immer wieder erstaunt darüber, welche Geschichten das Leben so schreibt.

Natürlich werden in den Gute Nacht Kurzgeschichten keine Tatsachenberichte verfasst. Lediglich ein „wahrer Kern“ wurde jeweils aus einzelnen Schicksalen oder Lebenssituationen herausgenommen und zu einer hoffentlich spannenden Geschichte verarbeitet.

Wenn also die / der Eine oder Andere sich in speziellen Situationen wiederzuerkennen glaubt, dann ist das vielleicht wirklich der Fall. Bitte wundert Euch in dieser Situation nicht, dass die Kurzgeschichte möglicherweise anders weitergeht, als ihr es erwartet.

Andererseits hofft Annabelle, dass ihr es ihr nicht übelnehmt, wenn sie bei der / dem Einen oder Anderen Anleihen aus seiner Lebensgeschichte für ihren Erzählstoff genommen hat. Sie geht nicht davon aus, dass sie jemanden damit bloßstellen wird.

Sollte jemand von Euch sich angegriffen oder verraten fühlen, gebt ihr bitte Bescheid. Und vor allem verzeiht es ihr! Das war und ist nicht ihre Absicht.

Also lasst Euch überraschen und einfangen in die Welt der Annabell Herbst. Vielleicht erkennt ja die / der Eine oder Andere selbst Parallelen aus ihren / seinem Leben oder dem von Freunden und Bekannten zum Beispiel mit unserer ersten Kurzgeschichte der Unsichtbare Mann oder Der Spitzel

Viel Spaß mit den Kurzgeschichten
Eure Annabelle Herbst